Liebe Leser*innen,

trotz unseres gemeinsamen Appells deutet sich keine Verbesserung beim Netzpaket an. Deshalb braucht es weiterhin unseren gemeinsamen Druck. Mit dieser E-Mail bieten wir Ihnen 3 weitere Druckoptionen an – u.a. eine Demo am 18. April 2026. Es um mehr als Energiepolitik – es geht um viele Existenzen im Sektor der Erneuerbaren Energien – womöglich auch um Ihre!

Noch einmal vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Gemeinsam zeigen wir, dass die Energiewende nicht zentral verordnet wird, sondern vor Ort entsteht – durch Ihr Engagement, Ihre Investitionen und Ihre Arbeit.

Demos ins Berlin, Köln, München & Hamburg

Gemeinsam mit Campact und Friday For Future rufen wir für Samstag, den 18. April 2026, in Berlin, Hamburg, Köln und München zu Großdemonstrationen unter dem Titel „Erneuerbare Energien verteidigen!“ auf. Mit dem Protest setzen wir ein klares Zeichen gegen den Rückschritt in die fossile Vergangenheit und für mehr Solarenergie, starke Bürgerprojekte und konsequenten Klimaschutz. Lassen wir nicht zu, dass politische Fehlentscheidungen unsere Zukunft verspielen. Seien Sie dabei und zeigen Sie: Die Energiewende gehört uns allen! Unterstützen Sie uns und kommen Sie am 18. April 2026 zu einer der Demos.

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Teilen Sie Ihre Video-Botschaften

Drehen Sie kurze Videos oder Reels und erzählen Sie, welche Auswirkungen die geplanten Gesetze auf Ihren Betrieb, Ihre Initiative oder Ihre Organisation haben. Teilen Sie Ihre Beiträge auf Ihren Kanälen mit dem Hashtag #pro_erneuerbare_2026 oder laden Sie einen unserer Verbände für einen Co-Post ein. Je mehr Stimmen zusammenkommen, desto stärker wird unser gemeinsames Signal an die Politik. Verbreiten Sie Ihr Statement – jetzt zählt jede Stimme!

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Schreiben Sie Ihren Bundestagsabgeordneten

Über die bundesweite Kampagne „Sonnenstrom statt Erdgasstrom“ schreiben Sie mit wenigen Klicks einen Brief an Ihre Bundestagsabgeordneten. Ein Mustertext steht online bereit und kann individuell angepasst werden. Die zuständigen MdBs werden automatisch nach Wohnort zugeordnet. VEEG und Energy Watch Group übernehmen den Versand Ihres Briefes.

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Mehr Kraft durch breitere Vernetzung

An dem verlängerten Arm der Fossillobby im BMWE werden wir uns noch länger abarbeiten müssen. Daher haben wir unsere Vernetzung erweitert: Neben der Energy Watch Group, dem BBEn, der DGS, und dem SFV ist nun auch das Projekt Leben mit der Energiewende bei einer regelmäßigen Austauschsrunde dabei. Eins ist klar: Wir brauchen mehr und nicht weniger Erneuerbare. Fürs Klima, für das Ende fossiler Abhängigeiten von autoritären Regimen, und nicht zuletzt zur Sicherung von hunderttausenden Arbeitsplätzen. Unseren gemeinsamen Demo-Aufruf explizit für Unternehmen, Genossenschaften, Verbände und Initiativen können Sie hier nachlesen.

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Interview mit Frau Dr. Nina Scheer, der energiepolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Frank Farenski interviewt Frau Dr. Scheer im Rahmen von „Solarstrom statt Erdgasstrom„, einer Aktion von Energy Watch Group, Leben mit der Energiewende und VEEG e.V.

2025 war klimapolitisch ein widersprüchliches Jahr: Während Emissionen weiter steigen und politische Rückschritte drohen, haben sich erneuerbare Energien weltweit endgültig als die wirtschaftlich überlegene Lösung etabliert. Genau in diesem Spannungsfeld hat die Energy Watch Group zentrale Impulse gesetzt. 

Zu den Schwerpunkten unserer Arbeit 2025 zählen: 

  • 1,5 °C dauerhaft überschritten:
    Als erste Organisation haben wir auf Basis konservativer IPCC-Kriterien aufgezeigt, dass die 1,5-Grad-Grenze bereits dauerhaft überschritten ist – und dass bei einem „Weiter so“ 2,0 °C schon ab 2032 erreicht werden. Daraus leiten sich klare politische Konsequenzen ab: Das CO₂-Restbudget ist faktisch aufgebraucht, neue fossile Investitionen sind weder verantwortbar noch wirtschaftlich. 
  • Rentable Roadmaps zur Klimaneutralität:
    Unsere nationale Roadmap für Deutschland zeigt, dass ein Umstieg auf 100 % erneuerbare Energien bereits heute wirtschaftlich rentabel, sozial ausgewogen und haushaltsneutral möglich ist – mit einer Entlastung von rund 100 Mrd. € pro Jahr für Bürger*innen und Unternehmen.
    Ergänzend haben wir erstmals kommunale Roadmaps entwickelt, die zeigen, wie Städte und Stadtwerke die Transformation konkret und profitabel umsetzen können. 
  • Neue Antworten auf die Klimarealität:
    Angesichts unvermeidbarer weiterer Erwärmung haben wir CO₂-Entnahme als dritte Säule des Klimaschutzes klar adressiert und mit dem Konzept des Ocean Farming einen international diskutierten Lösungsansatz eingebracht. 
  • Politische und internationale Wirkung:
    Unsere Analysen und Positionen wurden 2025 in Medien, politischen Gremien und internationalen Fachforen aufgegriffen – von Deutschland über Litauen bis nach China und zur IRENA. 

Diese Arbeit lebt vom Austausch mit ExpertInnenPartnerorganisationen und politischen AkteurInnen. Viele der erreichten Impulse wären ohne dieses Netzwerk nicht möglich gewesen. 

Einen umfassenden Überblick über unsere Analysen, Aktivitäten und Wirkung finden Sie in unserem Jahresbericht 2025. 

 

Ausblick 2026:
Angesichts zunehmender Versuche, den Ausbau erneuerbarer Energien politisch zu bremsen, werden wir uns noch stärker mit klaren wirtschaftlichen Argumenten, faktenbasierter Aufklärung und konkreten Umsetzungsstrategien einbringen – national wie international. Ziel bleibt, EntscheidungsträgerInnen zu befähigen, die Transformation nicht zu verzögern, sondern wirksam umzusetzen. 

Dafür zählen wir auf Ihre Unterstützung und freuen uns auch in 2026 über Ihre Spende. 

Das Team der Energy Watch Group wünscht Ihnen und Ihren Liebsten besinnliche Feiertage und ein erfolgreiches Jahr 2026! 

Die Energiezukunft der Ukraine: Dezentrale erneuerbare Energien als einziger sicherer Weg nach vorn

Berlin/Kiew, September 2025 – Die Energy Watch Group (EWG) hat gemeinsam mit der International Energy Transition (IET) eine Stellungnahme zum aktuellen ukrainischen Gesetzgebungsverfahren im Bereich erneuerbare Energien eingereicht. Darin empfehlen die Organisationen eindringlich einen Paradigmenwechsel: weg von zentralisierten fossilen und nuklearen Strukturen hin zu Millionen dezentraler erneuerbarer Energieanlagen.

Zentrale Infrastruktur unter Beschuss

Die gezielte Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur durch Russland hat die Verwundbarkeit zentralisierter Energiesysteme offengelegt. Zwischen 2022 und 2024 wurden mehr als die Hälfte der Stromerzeugungskapazität und über 80 % der Wärmeversorgung zerstört. Der Wiederaufbau großskaliger Kraftwerke würde viele Jahre dauern und bliebe auch künftig unsicher.

Dezentrale Erneuerbare als Lösung

Der einzige nachhaltige Weg liegt im dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien – getragen von Millionen kleinerer Anlagen im ganzen Land.

  • Solarenergie und örtliche Windkraft müssen das Rückgrat des neuen Energiesystems bilden.

  • In den Wintermonaten kann Bioenergie, reichlich vorhanden in der großen ukrainischen Landwirtschaft, eine stabile Wärme- und Stromversorgung über Kraft-Wärme-Kopplung sichern.

  • Ein schneller Umstieg von Diesel auf Pflanzenöle ist entscheidend, um fossile Brennstoffe in Landwirtschaft, Maschinen und dezentralen Generatoren zu ersetzen.

Energiesharing für Sicherheit und Wachstum

Damit Investitionen in die lokale Versorgung zukunftssicher sind, betonen EWG und IET die Bedeutung von Energiesharing – also kollektiver Eigenversorgung, bei der Haushalte, Unternehmen und Gemeinden erneuerbaren Strom miteinander teilen. Die EU-Richtlinien schaffen hierfür bereits einen klaren Rechtsrahmen. Die laufenden Gesetzesnovellen in der Ukraine sind eine Chance, diese Bestimmungen umzusetzen, die sowohl die Resilienz erhöhen als auch die EU-Annäherung vorantreiben.

Politikempfehlungen an die ukrainische Regierung

Die gemeinsame Stellungnahme empfiehlt unter anderem:

  • Recht auf Eigenversorgung und Energiesharing für alle Verbrauchergruppen,

  • Abbau unnötiger Genehmigungs- und Lizenzhürden,

  • Faire Vergütung für überschüssigen Strom im Netz,

  • Ermöglichung der Integration von Speicher- und Bioenergielösungen.

Damit entspricht die Reform vollständig den EU-Richtlinien (RED II, Strommarktrichtlinie, Reform 2024) und den Zielen der ukrainischen Gesetzesänderungen.

Breite Unterstützung für die Initiative

Die Eingabe von EWG und IET wird bereits von einer wachsenden Zahl ukrainischer Verbände unterstützt – ein starkes Signal für die Dringlichkeit, die Energiewende auch im Krieg deutlich zu beschleunigen.

Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, betont:

„Zentralisierte Energiesysteme haben sich im Krieg als hochgradig verletzlich erwiesen. Die Ukraine hat jetzt die historische Chance, ihr Energiesystem auf dezentraler, erneuerbarer Basis neu aufzubauen – und so echte Energiesicherheit, wirtschaftliches Wachstum und EU-Integration zu erreichen.“

Zum Statement auf Englisch und Ukrainisch.

Großalgen gegen die Klimakrise: Ocean-Farming als Schlüssel zur massiven CO₂-Entnahme / neues Policy-Paper der Energy Watch Group 

Berlin, 9. Juli 2025 – Ocean-Farming mit Großalgen kann einen zentralen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise und zur Abkühlung der Atmosphäre leisten – das zeigt ein neues Policy-Paper, das eine naturbasierte Lösung mit großem Potenzial vorstellt. Erstmals wird ein konkretes globales Ziel für die aktive CO₂-Entnahme vorgeschlagen: 450 Gigatonnen in 40 Jahren, um die CO₂-Konzentration wieder unter die planetaren Grenzen zu senken. Großalgen wachsen extrem schnell, binden CO₂ sehr wirksam, stärken marine Ökosysteme und liefern nachhaltige Rohstoffe. Veröffentlicht wurde das Policy Paper von der Energy Watch Group am 8. Juli 2025 beim Parlamentarischen Abend der Deutschen Meeresstiftung mit 300 Teilnehmenden.

Zu den Kernaussagen des Policy Paper: Die Erde ist bereits überhitzt und wird voraussichtlich in den 2030er-Jahren das 2-Grad-Limit überschreiten und weitere Kipppunkte auslösen. Selbst bei sofortiger Klimaneutralität bliebe zu viel CO₂ in der Atmosphäre, um die Erderwärmung zu stoppen. Für ein stabiles Klimagleichgewicht muss die CO₂-Konzentration von heute 425 ppm unter 350 ppm sinken.  Dieser schon 1990 erreichte Wert führte zu einer globalen Erwärmung von 1,0°C, aber liegt noch innerhalb der planetaren Grenzen mit nur begrenzten Schäden.

Um diese 350 ppm wieder zu erreichen, ist eine Entnahme von mindestens 450 Gigatonnen Kohlenstoff (1.700 Gt CO₂) zur Abkühlung erforderlich. Dies soll als gemeinsames Ziel der Staatengemeinschaft gesetzt werden, so wie im Pariser Vertrag die Einhaltung von 1,5°C vereinbart wurde. CO2-Entnahme in diesem Sinne zielt weder auf Null-Emissionen oder “negative Emissionen”, sondern auf die Entnahme bereits emittierter Klimagase.

Bisherige Verfahren reichen nicht aus, um eine Entnahme in dieser Größenordnung zuverlässig zu erreichen. Ocean-Farming mit frei treibenden Großalgen eröffnet als naturbasierte Lösung in den ungenutzten subtropischen Wirbeln neue Perspektiven und marine Lebensräume – technisch, wirtschaftlich und ökologisch. Die erzeugte Biomasse kann fossile Rohstoffe in Industrie, Energie und Ernährung ersetzen. Damit entsteht eine nachhaltige Meereswirtschaft – mit Chancen gerade für Länder des Globalen Südens.

Heinrich Strößenreuther, Lead-Autor und Klimaexperte: “Klimaschutz bedeutet heute weit mehr als nur Null-Emissionen – Klimaschutz muss inzwischen gleichrangig auch Klimaanpassung und CO₂-Entnahme umfassen.”

Hans-Josef Fell, Ex-MdB und EEG-Mitautor, Präsident der Energy Watch Group und Vordenker der globaler Energie- und Klimapolitik: “Die Dimension der Aufgabe verlangt visionäre Führung und eine wirkungsvolle Politik – CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre muss neben Emissionsfreiheit ins Zentrum der Klimapolitik. Wir brauchen jetzt ein verbindliches Entnahmeziel und konkrete Schritte zur großskaligen Erprobung von Ocean-Farming.“

Franziska Pausch, Meeresbiologin und Wissenschaftskommunikatorin mit Fokus auf Klima und Ozeane: “Ocean Farming mit Großalgen im Sinne von Ocean Carbon Systems hat als naturbasierte Methode großes Potential, nicht nur für die CO2-Entnahme, sondern auch für viele andere Bereiche der nachhaltigen Ökonomie der Zukunft.”

Frank Schweikert, Meeresbiologe, Journalist und Gründer der Deutschen Meeresstiftung: „Die Ozeane geraten unter Hitzestress – mit drastischen Folgen für Nahrungsketten, Korallenriffe und Fischerei. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir neben den marinen Arten eine zentrale Lebensgrundlage. Ocean Farming ist eine Schlüsselaufgabe für die Zukunft der Zivilisation.“

Prof. emer. Victor Smetacek, Experte für Meeresbiologie und marine CO2-Entnahme: “Wer den Mars besiedeln will, gilt als visionär, wer CO₂ entnehmen will, als Phantast – das sollten wir ändern.”

Kontakt: 

Pressearbeit durch die Agentur für clevere Städte, Heinrich Strößenreuther, 0160-97442395, presse@clevere-staedte.de

Energy Watch Group, Hans-Josef Fell, fell@hans-josef-fell.de

Frank Schweikert, Deutsche Meeresstiftung, frank.schweikert@meeresstiftung.de

 

Policy Paper zum Download (DE | ENG).

Pressemitteilung zum Download.

Präsentation zum Download.

Video-Mitschnitt der Pressekonferenz.

Die 1,5 °C-Marke ist dauerhaft überschritten – Fossile Investitionen jetzt beenden!

Liebe Leser*innen,

unsere neue Studie zeigt alarmierend deutlich: Die globale Erwärmung liegt seit 2024 dauerhaft über 1,5 °C. Damit ist das „Restbudget“ an Treibhausgasemissionen zur Einhaltung dieses Ziels faktisch null. Ein „Weiter so“ führt voraussichtlich bis 2032 zu einer dauerhaften Erwärmung von 2,0 °C – mit gravierenden Folgen für Mensch und Wirtschaft.

Diese zentralen Erkenntnisse haben heute bereits nationale Aufmerksamkeit erlangt: Der Tagesspiegel Background berichtet ausführlich über unsere Studie und deren politische Relevanz.

Kernaussagen der Studie

  • Klimaneutralität weltweit bis spätestens 2038 notwendig, um die Erwärmung auf 2,0–2,5 °C zu begrenzen.
  • Für Deutschland bedeutet das: Sofortiger Stopp aller fossilen Investitionen – vom Bau neuer Gas- und Kohlekraftwerke über Verbrennerfahrzeuge bis zu fossilen Heizsystemen.
  • Dies Umsteuern lohnt sich: es erzeugt einen Konjunkturschub von jährlich 100 Mrd. € und stärkt die deutsche Industrie im internationalen Wettbewerb.
  • Nicht zu handeln, kostet deutlich mehr: 0,5 °C zusätzliche Erwärmung reduzieren das globale Bruttosozialprodukt um 11 %. Für Deutschland entspricht das einem Wohlstandsverlust von 420 Mrd. € jährlich bzw. 11.000 € pro Haushalt.
  • Die Technologien zur Transformation sind verfügbar: Windkraft, Photovoltaik, grüner Wasserstoff, Biogas, Wärmepumpen und E-Fahrzeuge sind wirtschaftlich konkurrenzfähig und einsatzbereit.

Unsere Botschaft an die Politik

  • Kommunizieren Sie offen: Die 1,5 °C-Grenze ist überschritten, 2,0 °C drohen in naher Zukunft.
  • Beenden Sie fossile Investitionen sofort und ersetzen Sie sie konsequent durch erneuerbare Technologien.
  • Planen Sie aktiv CO-Entnahmen in großem Maßstab, um zumindest in den folgenden Jahrzehnten die Temperatur auch wieder zu senken.

Die vollständige Studie kann hier eingesehen werden.
Den Artikel im Tagesspiegel Background finden Sie hier.

Mit dieser Analyse legen wir eine faktenbasierte, aber entschlossene Handlungs­grundlage vor. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen.

Herzliche Grüße,
Das Team der Energy Watch Group

Photocredit: PublicDomainPictures auf pixabay

1,5 Grad sind überschritten – und 2,0 Grad in Sicht

In 2023 war die globale Erwärmung knapp 1,5 oC. In 2024 hat sie 1,6 oC erreicht, obwohl es kein „El Niño“-Jahr war. Zudem sind die weltweiten CO2-Emis­sionen in 2024 nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen. Damit ist die Ambition des Pariser Klimavertrags nicht umgesetzt worden, die Klima­erwär­mung auf 1,5 oC zu begrenzen. Und um unter 2,0 oC globaler Erwärmung zu bleiben, ist es „5 vor 12“.

Turbo auf 100% Erneuerbare – Maßnahmen und Machbarkeit

Um unter 2,0 oC zu bleiben, ist jetzt der Turbo auf 100% Erneuerbare mit den unten beschriebenen Maßnahmen erforderlich. Das mag im aktuellen politischen Umfeld unre­alistisch klingen. Aber die kursiv ergänzten Beispiele zeigen: es ist in Reichweite:

  • Vollständiger Investitions-Stopp in neue Erzeugung (fördern), Ver­te­ilung (Pipe­lines) und Nutzung (Motoren, Heizungen) fossiler Energien. Weltweit wurden 2024 gut 2 Billionen USD in Erneuerbare investiert und nur etwa 1 Billion USD in fossile Energien. Den Anteil Erneuerbarer an Energieinvestitionen von aktuell 2/3 auf 3/3 zu erhöhen, ist ein überschaubarer Schritt.
  • Die Investition in erneuerbare Energien noch rentabler und leichter machen sowie entschlossen skalieren. Seit 2000 sind die CO2-Emissionen in der EU um 30% und USA um 20% Wenn wir die glo­bale Zubaurate 2022 auf 2023 von Wind- und PV-Kapazität um nur 50% steigern, wird in 12 Jahren so viel erneuerbare Primär­energie erzeugt, wie nach Umstellung auf Elektroautos und Wärmepumpen in etwa 12 Jahren benötigt wird.

 

Der dazu notwendige politische Wille und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz setzen voraus, dass die Transformation:

  • wirtschaftlich und einfach für viele ist. Das mobilisiert breite Akzeptanz sowie erheb­liches privates Kapital für die Transformation. Dass untere Einkommen nicht zusät­zlich belastet werden, sichern Zuschüsse und Ausgleichszahlungen zusätzlich ab. Die neue „Roadmap CO2-neutrales Deutschland“ der EWG zeigt, dass auch für das im glo­balen Vergleich wenig sonnigen und nicht besonders windreichen Deutschland bis 2035 100% Erneuerbare erreichbar ist: für Bürger und Wirtschaft ren­ta­bel, sozial ausgewogen sowie haushaltsneutral. Zudem steigt das BIP um 100 Mrd. € pro Jahr oder 2,5%. Wir sind überzeugt, dass sich ähnlich wirt­schaft­lich attraktive und fak­ten­ba­sierte Pfade für die meisten G20-Länder erarbeiten und umsetzen lassen.
  • mit Geboten zum Energie- und Aggregatwechsel abgesichert ist. Das Verbrenner-Aus 2035 ist in der EU und Großbritannien Beschlusslage. In Deutschland sind fossile Heizungen ab einem Mindestalter auszutauschen.   
  • In Zusammenarbeit mit China gestaltet wird, das zugleich der mit Abstand größ­te Emi­ttent und führend bei Know-How und Produktionskapazitäten in vielen Clean Tech Branchen ist. Genauso erforderlich ist Wahrung und entschiedener Ausbau der Clean Tech industriellen Basis in den übrigen G20. IRA in den USA und die neuesten Festlegungen der EU zu Clean Tech Vergaben, zeigen Pfade zum Aufbau der eigenen industriellen Clean Tech Basis auf. Die in den 90er Jahren vereinbarte atomare Abrüstung zeigt, dass auch globale Rivalen im gemeinsamen Interesse zusammenarbeiten können.

Auch wenn 2,0 oC nicht eingehalten werden: jede dennoch nicht emittierte Tonne CO2, und jede vermiedene 0,1 oC Erderwärmung senken mensch­­li­ches Leid und wirt­schaft­liche Belas­tung, stärken gesellschaftlichen Zusam­men­halt und nationale Sicherheit.

Die Energy Watch Group wird 2025 zur Verbreitung und Ausgestaltung dieser Agenda auf nationaler und internationaler Ebene beitragen.

 

Wie kann die Klimabewegung hierzu beitragen?

Der langsame Fortschritt bei den Klimakonferenzen und deren Umsetzung, die sin­ken­de politisch-mediale Priorität von Klimaschutz vs. wirt­schaftlicher Ziele in der EU und Trumps Präsidentschaft haben die Klimabewegung tief verunsichert.

Aufgabe der Klimabewegung ist es nun,

  • auch mit heutigen wirtschaftlichen und anderen Eigeninteressen zu argu­men­tieren, um mehr Bürger, Medien und Entscheider besser zu erreichen und dabei die oft falschen wirtschaftlichen Argumente gegen Klima­schutz wirksam zu entkräften.
  • dabei in den offenen Dialog mit allen relevanten Stakeholder-Gruppen zu gehen – auch und gerade außerhalb der Klimabewegung. Dabei wird es wichtig sein, reale Hemmnisse anzuerkennen und praxistaugliche Lösungen dazu zu erarbeiten.

Die Energy Watch Group wird 2025 die Klimabewegung dabei unterstützen.

 

Absenkung der Erderwärmung um 1,0°C

Um die Erderwärmung von heute 1,6°C um etwa 1°C wieder ab­zu­senken, muss die Konzentration der Klimagase von heute 425 ppm CO2 wieder unter die planetarische von 350 ppm gesenkt werden. Mind. 600 Milliarden Tonnen (Gigatonnen) CO2 müssen daher wieder aus der Atmosphäre entfernt werden.

Die derzeit diskutierten Lösungen sind vor allem:

  • Die technische Lösung, Direct Air Capture and Storage (DACS).
  • Landbasierte biologische Lösungen, z.B. Wiedervernässung von Mooren, Humus­­aufbau auf landwirtschaftlichen Böden, Aufforstung im Inland oder Mangro­ven, Begrünungen arider Räume.
  • Gezielter Anbau und Ernten von Makroalgen.

Die Energy Watch Group wird diese Optionen 2025 vertiefen.

Photocredit: Christel at Pixabay.

2024 haben wir als Energy Watch Group wichtige Impulse für die Klimawende gesetzt: 

Unsere „Roadmap CO₂-neutrales Deutschland“ zeigt, dass Klimaneutralität nicht nur machbar, sondern wirtschaftlich hochprofitabel ist – eine Erkenntnis, die in den Medien intensiv diskutiert wurde. Die Studie „Wasserstrom – der neue Gamechanger“ hat eine bundesweite Debatte über das Potenzial der Wasserkraft angestoßen. Mit unserer Analyse zur Kraftwerksstrategie haben wir dazu beigetragen, dass Biogaskraftwerke als klimafreundliche Alternative zu neuen Erdgaskraftwerken stärker berücksichtigt werden. 

Diese und viele weitere Erfolge waren nur durch starke Partnerschaften und den Austausch mit Expert*innen aus unserem Netzwerk möglich. Einen umfassenden Rückblick finden Sie in unserem Jahresbericht 2024. 

Unser Fokus 2025: Während klimapolitische Scheinlösungen wie CCS oder Atomkraft an Aufmerksamkeit gewinnen, setzen wir verstärkt auf faktenbasierte Aufklärung, wirtschaftliche Argumente für 100 % Erneuerbare Energien und neue Strategien für eine aktive CO₂-Reduktion. Gemeinsam mit Partnern wollen wir Entscheidungsträger*innen noch gezielter erreichen und Lösungen vorantreiben. 

Download EWG Jahresbericht 2024

Download EWG Jahresbericht 2023

Download EWG Jahresbericht 2021

Download EWG Jahresbericht 2020

Bild von guentherlig auf Pixabay

Kernaussagen

Die neue Studie der Energy Watch Group zeigt: es gibt einen Weg zum CO₂-neutralen Deutschland, der Wirtschaft und Bürger finanziell entlastet.

Im Ergebnis:

  • sinken die Kosten von Bürgern und Unternehmen für Strom und den Wechsel zu CO₂-neutraler Wärme und Fahrzeugen um 50 Mrd. € pro Jahr.
  • steigen das Einkommen von Bürgern und die Wertschöpfung von Unternehmen um 110 Mrd. € pro Jahr. Das steigert das Bruttosozialprodukt um 2,5%.
  • ist die öffentliche Hand um 8 Mrd. € pro Jahr entlastet und die Schuldenbremse eingehalten.
  • ist Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit in der stark wachsenden Zukunftsbranche Clean Tech gestärkt.

Die Inhalte der Roadmap sind zur Verankerung eines starken Klimaschutzes im kommenden Koalitionsvertrag nutzbar, da sie zentrale Anliegen der CDU/CSU (rentabel, Schuldenbremse einhalten), der SPD (sozial ausgewogen, Arbeitsplätze erhalten) und der Grünen (zuverlässiger Pfad zur CO₂-Neutralität) aufgreifen.

PM Download

 

„Strommarktdesign der Zukunft“ der Bundesregierung würde erneuerbare Stromerzeugung massiv bremsen und verteuern 

Energy Watch Group veröffentlicht Stellungnahme & Empfehlungen 

Berlin, 08.09.2024 – Die Energy Watch Group (EWG) nimmt Stellung zum “Strommarktdesign der Zukunft“, das die Bundesregierung vorgelegt hat. Die vorgesehene Umstellung und Beendigung der EE-Förderung mitten in der Transformation würde den Strompreis stark erhöhen, den Bundeshaushalt weit mehr als heute belasten und den Ausbau erneuerbarer Energien massiv bremsen. Andere Eckpunkte des vorgelegten “Strommarktdesigns” sind klar zu begrüßen.  

Das Strommarktdesign ist von entscheidender Bedeutung für die zukünftigen Strompreise, die Entlastung des Bundeshaushalts sowie für die Geschwindigkeit, mit der Deutschland eine CO2-freie Energieversorgung erreicht.  

Positive Eckpunkte 

An den Eckpunkten ist sinnvoll:  

  • Eine technologieoffene Beschaffung steuerbarer Kapazitäten (inkl. auf Spitzen­last umgestellter Biogaskraftwerke). 
  • Die Beschaffung steuerbarer Kapazitäten gesondert von der Beschaffung volatiler Stromerzeugung und zu anderen Konditionen. 
  • Zeitlich gespreizte Stromtarife, um durch Verlagerung der Nachfrage günstigen Wind- und PV-Strom möglichst vollständig zu nutzen.  
  • Räumlich gespreizte Netzentgelte, um netzdienliche Standorte für neue Stromer­zeugung anzureizen und so die Kosten für den Netzausbau zu senken.  

Kritische Eckpunkte 

Die Eckpunkte sehen ein Ende der Förderung von und Einspeisevergütung für erneu­er­baren Strom weit vor Erreichen der CO2-freien Stromversorgung vor. Dies wür­­­de Inves­toren in Wind- und PV-Anlagen, grüne Biogas- und Wasserstoff­kraft­­wer­ke, Batte­rie- und andere Speicher erheb-liche Risiken auferlegen und deshalb den Strom­preis in Deutschland stark erhöhen sowie den EE-Ausbau stark bremsen.  

Das anstatt der heutigen Einspeisevergütung vorgesehene Instrument der „Investitions­kos­ten­för­derung“ würde den Bundeshaushalt zudem bei 50% Investitionszuschuss mit ca. 600 Mrd. € belasten und bei 75% Investitionszuschuss mit ca. 900 Mrd. €.  

Eine Umsetzung dieser Eckpunkte würden den Umbau des Strom­sys­tems deshalb in eine teure und politisch lähmende Sackgasse führen.  

Empfehlungen 

Stattdessen sollte die etablierte und wirksame Beschaffung im EEG fortgesetzt wer­den, bis die CO2-freie Stromversorgung erreicht ist, sowie das Strom­markt­­de­sign so angepasst werden:  

  • Bei künftigen Vergaben refinanziert sich die Einspeisevergütung aus dem Strom­preis. Das entlastet den Bundeshaushalt und erfüllt EU-rechtliche Vorgaben. Es belas­tet Stromkunden nicht wie in früheren Jahren, da die Erzeugung von Wind- und PV-Strom mit ca. 6 cent/kWh sehr viel günstiger ge­wor­d­en ist. 
  • Die mit der Einspeisevergütung erzielten günstigen und stabilen Strompreise von 6 cent/kWh für Wind und PV kommen den Stromkunden direkt zugute, anstatt wie heute in der Strombörse zu hochvolatilen Preisen umgewandelt zu werden.  
  • Aufhebung der Mengendeckel bei Vergaben. Das beschleunigt den Weg zur CO2-frei­en Stromversorgung und löst diese Form der Investitionsblockade auf. 

Mit den vorgeschlagenen Anpassungen wird eine 100 % CO2-freie und zuverlässige Stromversor-gung zügig und zu günstigen Konditionen erreicht – zum Vorteil aller Stromkunden und zur Entlastung des Klimas. 

Die vollständige Stellungnahme lesen Sie hier.

Die Pressemitteilung zum Download finden Sie hier.

Bild von Couleur auf Pixabay