Neue EWG Studie: Deutschland verfehlt Klimaziele erheblich

Eine Nullemissionswirtschaft ist nötig, um Pariser Abkommen zu erreichen

4. November 2016, Berlin – Die aktuellen Klimaziele Deutschlands sind viel zu schwach, um  das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Und selbst diese schwachen Ziele droht die Bundesregierung zu verfehlen, so lautet das Ergebnis einer neuen Studie der Energy Watch Group und ASPO Deutschland „Deutsche Klimapolitik – vom Vorreiter zum Bremser“, die heute veröffentlicht wurde.

Das Pariser Klimaabkommen tritt heute in Kraft. Doch der ehemalige Klimavorreiter Deutschland fährt zur Weltklimakonferenz in Marrakesch ohne einen Klimaschutzplan – und wird immer mehr zum Klimasünder.

„Mit dem heutigen Inkrafttreten des Pariser Abkommens müsste die Bundesregierung ihr ‘Energiekonzept und ihre Klimaziele’ völlig neu schreiben. Eine Minderung der nationalen Treibhausgas-Emissionen um 80-95 % bis 2050 im Vergleich zu 1990 ist komplett ungeeignet, um die Pariser Ziele zu erreichen“, so Hans-Josef Fell, Ko-Autor der Studie, Präsident der Energy Watch Group und Bundestagsabgeordneter 1998 – 2013.

„Die momentanen Klimaschutz-Maßnahmen der Bundesregierung führen nicht einmal mehr zu nennenswerten Emissionsminderungen. Die globale mittlere Erdoberflächentemperatur steigt derzeit sprunghaft wie nie zuvor. Da schon heute immense Auswirkungen beobachtet und dokumentiert sind, sollten jedwede weitere Temperaturanstiege – ob 1,5 °C oder weniger – inakzeptabel sein. Viel mehr sollte eine Abkühlung auf das vorindustrielle Niveau zum Ziel gemacht werden“, so Fell.

Tatsächlich weist die Studie nach, dass der von der Bundesregierung vorgegebene, nationale Emissionsminderungspfad seit 2010 in jedem Jahr überschritten wurde. Besonders die Sektoren Straßenverkehr, Elektroenergie und Landwirtschaft sind an der Überschreitung beteiligt. Gemäß den Projektionen der Bundesregierung wird zum Beispiel der Verkehr im anspruchsvollsten Minderungsszenario den vorgeschriebenen Zielpfad 2035 um 91 % überschreiten.

„Der Emissionsminderungspfad von 2010 ist schon in den ersten Jahren verfehlt worden. In Kombination mit den deutlich ambitionierteren Zielen des Pariser Abkommens sind nun zusätzliche Maßnahmen in erheblichem Umfang nötig, deren Ziel eine Nullemissions-Wirtschaft bis 2030 sein sollte“, so Jörn Schwarz, Autor der Studie und Vorsitzender der ASPO Deutschland.

Eine weltweite Nullemissionswirtschaft müsse an eine Agenda zur Schaffung wirksamer Kohlenstoffsenken gekoppelt sein. Zur Umsetzung werden diverse nötige Schritte aufgeführt. So sind auf der technischen Seite 100 % Erneuerbare Energien und eine vollständige Kreislaufwirtschaft erforderlich. Politisch betrachtet sei es notwendig, Klimaschutz in die Verfassung aufzunehmen, Anreizinstrumente für Klimaschutzinvestitionen der privaten Wirtschaft zu schaffen und Forschung und Bildung im Bereich Klimaschutz gezielt zu stärken, so die Autoren der Studie.

„Diese Studie zeigt deutlich, dass es mit der aktuellen Energiepolitik keine Chance gibt, die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten. Im Vergleich zu den ambitionierten Maßnahmen anderer Länder gerät damit Deutschland beim Klimaschutz immer mehr ins Hintertreffen. Damit gefährdet die Bundesregierung nicht nur die Lebensgrundlagen künftiger Generationen, sondern auch die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland“, so Dr. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin und Gutachter der Studie.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Projektionen der IEA zu PV nicht zuverlässig waren. Die Energy Watch Group hatte das im September 2015 ausführlich diskutiert. Die Analyse des aktuellen World Energy Outlook 2015 zeigt, dass die IEA offensichtlich auf ihren Einschätzungen im Rahmen der Szenarien für den World Energy Outlook verharrt. In diesem Beitrag soll dies am Beispiel der Projektionen für PV konkret aufgezeigt werden.

Die IEA hat das rasante Marktwachstum der erneuerbaren Energien der vergangenen Jahre und speziell beim Zubau von PV erneut ignoriert und ihr Szenario auf veralteten Daten aufgebaut. So wurde der Marktzuwachs 2014 und der bis September erkennbare neue Zubaurekord für das Jahr 2015 ignoriert, obwohl während der Berichtserstellung diese Daten bereits verfügbar gewesen wären. Insbesondere trifft die IEA die höchst unwahrscheinliche Annahme, dass ab dem Jahr 2014 das Marktwachstum für Photovoltaik abbricht und für die kommenden Jahrzehnte der jährliche Zubau geringer als im Jahr 2013 ausfällt. Für einen noch in den Anfängen steckenden Weltmarkt sind das irrationale Annahmen, die nur dann denkbar wären, falls politische Entscheidungen Solarstrom weltweit als unerwünscht reglementieren würden.

Abbildung 1: PV-Zubau – Realität bis 2014 (IEA PVPS 2015), Szenario nach WEO 2015 (NPS)

Abbildung 1 zeigt das jährliche Marktvolumen für PV. Die schwarz durchgezogene fette Linie zeigt die realen Zubauzahlen der Jahre 1990 bis 2015. Für 2015 wurde allerdings eine Schätzung von internationalen Marktanalysten zugrunde gelegt, die Ende September auf einen Jahreszubau von 55-60 GW schließen lässt. Im World Energy Outlook werden keine konkreten Zubauzahlen genannt. Diese kann man aber aus der jährlich insgesamt installierten Leistung rückrechnen. Da die Werte im WEO nur in Fünf-Jahres-Schritten angegeben werden, hat die Energy Watch Group ein Aufbauszenario durchgerechnet, dessen kumulierte installierte Leistung jeweils mit den im WEO in Fünf-Jahres-Schritten genannten Leistungen übereinstimmt. Für jede Zeitperiode wurde eine konstante Zubaurate ermittelt, um im Stichjahr, den exakten Wert abzubilden.

Mindestens bis 2035 bleibt gemäß WEO 2015 im New Policies Szenario die jährliche Zubaurate unter dem Wert von 2013. Die Energy Watch Group hat in ihren Berechnungen verschiedene Annahmen über die Lebensdauer der Anlagen getroffen. Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren muss ab 2035 beginnend ein schnell zunehmender Anteil von Altanlagen substituiert werden. Dieses berücksichtigend, bedeuten die Annahmen der IEA, dass ab 2035 der Nettozubau nochmals deutlich zurückgeht.

Bei der Annahme einer Anlagenlebensdauer von 25 Jahren verschiebt sich der Beginn der Substitution alter Anlagen um 5 Jahre. Wenn man dies berücksichtigt, dann bleibt die Nettozubaurate im WEO 2015 bis 2030 unter den im Jahr 2013 bereits real erlebten Zubauraten. Danach muss die Bruttozubaurate jedoch deutlich zunehmen. In Tabelle 1 sind die für die jeweiligen Perioden errechneten Bruttozubauraten zusammengestellt, die zu den im IEA-Szenario dargestellten installierten Leistungen führen.

Tabelle 1: PV-Marktwachstumsraten

Die im letzten 5 Jahresintervall entgegen dem Trend der Vorjahre benötigte erhöhte Zubaurate ist wenig plausibel, so dass die Annahme nahe liegt, dass die IEA in den Szenarien den Ersatzbedarf nicht berücksichtigt hat.

In der Abbildung sind ebenfalls die Zubauraten eingetragen, wie sie im WEO 2013 und WEO 2014 benutzt wurden. Hier wurden allerdings vereinfacht jeweils nur die gemittelte Nettozubaurate aus Differenz der installierten Leistungen errechnet. Dennoch zeigt sich, wie die Systematik der IEA fortgeführt wird. In jedem Szenario wird unterstellt, dass das Marktwachstum zu Beginn der Szenarioperiode am Maximum angekommen ist und künftig zurückgehen wird.

Auch andere Institutionen befassen sich mit Marktszenarien für die Solarstromerzeugung. Mit am bekanntesten ist das in regelmäßigen Updates erstellte Szenario energy [r]evolution, das im Jahr 2015 gemeinsam von Greenpeace, GWEC und SPE beauftragt und vom renommierten Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt durchgeführt wurde.

Abbildung 2 zeigt das IEA-Szenario gemeinsam mit energy [r]evolution 2015 und den Prognosen von Bloomberg New Energy Finance (BNEF), veröffentlicht im ‚New Energy Outlook 2015‘. Energy [r]evolution schreibt das empirisch beobachtete Marktwachstum der vergangenen Jahre fort. In den vorhergehenden Berichten von energy [r]evolution konnte man beobachten, dass die Projektionen recht gut mit der realen Entwicklung übereinstimmten. Dies trifft nicht nur auf die Photovoltaik, sondern in ähnlichem Maße auch auf die Windenergie zu.

Es fällt schwer, den WEO-Szenarien keine Absicht zu unterstellen. Solche Szenarien können nicht als glaubwürdig wahrgenommen werden.

Abbildung 2: PV-Zubau – Szenario nach WEO 2015 (NPS) und Greenpeace – energy [r]evolution 2015

Der Rückgang des Zubaus im Greenpeace energy [r]evolution Szenario ab dem Jahr 2040 ist damit begründet, dass schon eine fast 100% erneuerbare Energieversorgung erreicht ist und daher fossile und nukleare Kraftwerke bereits substituiert sind und daher nur ein Substitutionsbedarf für schon gebaute Anlagen besteht, der in vollem Volumen aber aufgrund der langen technischen Lebensdauer der PV-Anlagen erst später einsetzt. Zu berücksichtigen ist, dass andere Autoren höhere Zubauraten um die Jahrhundertmitte erwarten und insbesondere keinen Rückgang, was im Wesentlichen darin begründet ist, dass einerseits ein höherer Anteil von PV im Energiemix und andererseits ein höherer insgesamter weltweiter Energiebedarf angenommen wird.

Die weltpolitischen ökonomischen Rahmenbedingungen zeigen auf ein weiteres sich gegenüber den bisherigen Zubauraten sogar noch beschleunigtes Wachstum hin: Die Kosten für die PV werden weiter sinken, gleichzeitig auch die Kosten für Batteriespeicher, womit ein weiteres Wachstum der PV-Zubauraten stimuliert werden wird. Gleichzeitig steigen immer mehr Finanzinvestoren aus der Finanzierung fossiler und nuklearer Projekte aus (Divestment). Dies geschieht einerseits weil in Europa wegen politischer Blockaden eine grundlegende Reform des Strommarktdesigns nicht vorankommt und damit nur sehr schlechte Renditeerwartungen zulassen, andererseits weil in vielen Teilen der Welt Klimaschutz endlich auch bei immer mehr Finanzinvestoren ernst genommen wird und letztlich private Investoren das unkalkulierbare Risiko von Kernkraft zunehmend scheuen. Dieses frei werdende Kapital wird verstärkt in Erneuerbare Energien investiert. Gerade angesichts dieser seit Jahren sehr dynamischen Entwicklung erscheint die IEA Prognose bei der PV und übrigens auch bei anderen Erneuerbaren Energien als völlig weltfremd.

Pressemitteilung

Neue EWG Studie: Internationale Energieagentur stellt sich globaler Energiewende in den Weg

Eine Studie der Energy Watch Group und der Lappeenranta University of Technology zeigt, dass die Internationale Energieagentur die Möglichkeiten von Solar- und Windkraft im letzten Jahrzehnt kontinuierlich untergraben hat.

22. September, 2015, Berlin – Die Energy Watch Group macht die Internationale Energieagentur (IEA) dafür verantwortlich, die Potenziale von Erneuerbaren Energien weltweit kontinuierlich unterschätzt und konventionellen Energiequellen in nicht nachvollziehbarer Weise Bedeutung beigemessen zu haben.

Die am 22. September veröffentlichte Studie der Energy Watch Group und Lappeenranta University of Technology ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Internationale Energieagentur in ihrem jährlichen World Energy Outlook (WEO) in den Jahren zwischen 1994 und 2014 regelmäßig irreführende Prognosen zu Photovoltaik und Windenergie veröffentlicht hat. Der WEO Bericht hat großen Einfluss auf politische wie ökonomische Entscheidungen, die Regierungen weltweit in Bezug auf Energiepolitik fällen.

„Die IEA hat sich jahrelang der globalen Energiewende in den Weg gestellt. Die falschen WEO Voraussagen führen zu hohen Investitionen in Fossil- und Nuklearenergie, behindern weltweit die Entwicklung von Erneuerbaren Energien und untergraben den globalen Kampf gegen den Klimawandel“, so der Präsident der Energy Watch Group und frühere Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell.

Trotz des exponentiellen Wachstums von Photovoltaik und Windkraft in den letzten Jahrzenten, erwartungsgemäß gleichbleibend exponentiell auch in den kommenden Jahrzehnten, geht die IEA weiterhin von einer linearen Wachstumskurve dieser Technologien aus, d.h. kein Wachstum der jährlichen Installationen. Nach Angabe des WEO Reports sollen Erneuerbare Energien bis 2030 nur 14% der globalen Energieversorgung ausmachen. In Betracht der durchschnittlichen Wachstumsraten der letzten 20 Jahre käme eine Prognose näher an einen Anteil von 60%.

„Trotz der schnell wachsenden Märkte für Photovoltaik und Windkraft unterschätzt der WEO deren Potential drastisch, was zu fatalen Fehlprognosen führt“, so der Hauptautor der Studie Christian Breyer, Professor für Solarökonomie an der Lappeenranta University of Technology in Finnland. „Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese strukturellen Fehler unverständlich, aus gesellschaftlicher Sicht sind sie verantwortungslos.“

Die WEO Berichte werden von OECD Regierungen geprüft und genehmigt, von denen einige hoch in konventionelle Energien investiert haben. Die Energy Watch Group ruft Wissenschaft und Zivilgesellschaft deshalb dazu auf, die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der IEA intensiver zu begutachten.

Insgesamt kommt die Studie zu folgenden Schlussfolgerungen:

·   Die WEO Projektionen für Photovoltaikkapazitäten aus dem Jahr 2010 für das Jahr 2024 (180 GW) wurden bereits Januar 2015 erreicht, was die WEO Voraussagen für 2015 um den Faktor 3 übersteigt.

  • Die realen Windkapazitäten aus 2010 überstiegen die WEO Projektionen aus dem Jahr 2002 um 260% und die Voraussagen aus 2005 um 104%. Die WEO Voraussagen für Windkraft aus dem Jahr 2002 für das Jahr 2030 wurden demnach bereits 20 Jahre früher erreicht.
  • Unabhängige Experten waren korrekter als der WEO in ihren Projektionen bezüglich der erfolgreichen Expansion von Erneuerbaren Energien. Einzig die Voraussagen vom konventionellen Energiesektor, u.a. den Konzernen wie BP, Shell und Exxon Mobile, waren vergleichbar niedrig wie die WEO Voraussagen.
  • WEO Projektionen überschätzen das Potenzial der Kohleindustrie in den letzten Jahren. Auch spiegeln diese den Trend der letzten Jahre zur Desinvestition aus dem Kohlesektor, so wie den beginnenden Kohleausstieg und Investmentanstieg in Erneuerbare Energien Chinas nicht wieder.
  • Von 2000 bis 2006 überschätzte der WEO die Bedeutung von Öl in der Energiegewinnung enorm.
  •   Trotz eines Rückgangs von Atomkraft in den letzten 10 Jahren geht der WEO nach wie vor von einem jährlichen Wachstum von etwa 10 GW im kommenden Jahrzehnt aus. In Anbetracht von nur wenigen in Auftrag gegebenen und finanzierten Atomprojekten und 100-200 prozentigen Budgetüberschreitungen in Europa und Verzögerungen in der Fertigstellung, erscheinen die WEO Voraussagen übertrieben.

Die Studie (auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden.

Das Ende vom Fracking-Geschäft

Neue Studie der Energy Watch Group zu den Folgen und aktuellen Entwicklungen von Fracking

Berlin, 19. März 2015. Eine neue Studie der Energy Watch Group (EWG) hat die Folgen von Fracking in den USA untersucht und warnt eindringlich vor dem Ausbau der Schiefergasförderung in Deutschland und Europa. Die durch Fracking verursachten Kosten und Umweltschäden stehen in keinem Verhältnis zur Rohstoffgewinnung dieser Bohrmethode.

Ende des Fracking-Booms

Neben enormen Umweltzerstörungen, einem hohen Verbrauch von Grundwasser und dem großflächigen Sandabbau, nimmt die Verschuldung der Unternehmen aus der Fracking-Branche stetig zu. Der Preisverfall von Erdöl seit Herbst 2014 verbunden mit einer finanziellen Entwertung der Öl- und Gasreserven, hat viele Unternehmen in finanzielle Probleme gebracht. Der Schiefergasindustrie geht es nicht gut. Massenentlassungen sowie Insolvenzen zeigen ein völlig anderes Bild, als das des jahrelangen sicheren Aufschwunges der fossilen Wirtschaft.

Fracking wurde in kommerziell relevantem Maßstab bislang vor allem in den USA durchgeführt. Im Jahr 2005 lockerte der damalige Präsident Bush die Umweltgesetze für das Fracking von Erdöl und Erdgas. Infolgedessen stieg die US-Gasförderung seitdem wieder steil an. Dies verleitete viele zu dem Trugschluss eines angeblich über Jahrzehnte andauernden Erdöl- und Erdgas-Fracking Hypes.

 Ausbau in Europa

Die Studie gibt einen Überblick über die Konsequenzen eines möglichen Ausbaus der Schiefergasförderung in Deutschland, abgeleitet aus den Erfahrungen in den USA. Der angebliche Erfolg in Übersee kann nicht 1:1 auf Europa übertragen werden, da hier andere Vorrausetzungen gegeben sind. Es sind weder aussichtsreiche Schiefergasvorkommen vorhanden, noch sind die infrastrukturellen Voraussetzungen vergleichbar. In der EU sind die Potenziale des Fracking sehr niedrig. Trotzdem will man in der Politik, allen voran der neue EU-Kommissar für die Energieunion Sefkovic, die Gasförderung durch Fracking mit allen Mitteln und Tricks durchsetzen. “Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass der dortige kurzfristige Erfolg nur mit hohen Kollateralschäden erkauft wurde. New York hat im letzten Jahr ein Förderverbot erlassen. In Deutschland wird Fracking nicht annähernd die Rolle wie in den USA spielen können. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne die Erfolge der USA wiederholen und gleichzeitig die damit verbundenen Umweltauswirkungen klein halten. Auch Frankreich hat Fracking per Gesetz verboten, in einigen anderen EU-Staaten herrscht ein Moratorium. Warum sollte man in Deutschland diese Risiken eingehen, wo die energie- und klimapolitische Debatte ohnehin andere Maßnahmen erfordert.”, so Dr. Werner Zittel,  Autor der Studie und Vorstand der Ludwig Bölkow Stiftung.

Seit Dezember 2014 wird der Entwurf für ein umstrittenes Fracking-Gesetz diskutiert. Noch diesen Monat sollen die Beratungen zu den Fracking-Regelungen im Bundestag beginnen. Diese spezielle Situation, die nach einer gesellschaftlich getragenen und klimapolitisch kompatiblen Entscheidung verlangt, motivierte die Energy Watch Group, jetzt eine Zwischenbilanz zu ziehen. „Es ist völlig unverständlich, dass immer noch zu Lasten von Umweltschutz und gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung eine Regierungspolitik für das Fracking von Brüssel über London bis nach Berlin dominiert und damit gleichzeitig den Ausbau der Erneuerbaren Energien immer weiter unter Druck setzt. Die Energiegewinnung aus Wind- und Solarkraft ist heute schon wesentlich kostengünstiger als die Stromerzeugung aus Fracking-Gaskraftwerken“, sagt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group.

Hier kann die EWG Studie heruntergeladen werden.

Über die Energy Watch Group

Die EWG ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern. Dieses Projekt wird unterstützt durch die Ludwig-Bölkow-Stiftung und die Reiner Lemoine Stiftung. Die Energy Watch Group beauftragt Wissenschaftler mit der Erstellung von Studien und Analysen unabhängig von politischer oder ökonomischer Einflussnahme. Themen sind: Die Verknappung fossiler und nuklearer Energieträger, Szenarien zur Einführung regenerativer Energieträger und Strategien zur Sicherung einer langfristig stabilen Energieversorgung zu annehmbaren Preisen.

Die Wissenschaftler sammeln und analysieren nicht nur ökologische, sondern vor allem auch ökonomische und technologische Zusammenhänge. Die Studienergebnisse werden nicht nur in Expertenkreisen, sondern auch der politisch interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.