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Klimawende – noch ungelöste wirtschaftliche Hürden für Stadtwerke

Energy Watch Group – Newsletter 3 – 2024:

Stadtwerke sind in Deutschland ein zentraler Erfolgsfaktor für den Klimaschutz. Sie betreiben oft das lokale Gasnetz, Strom-Verteilnetz bzw. Wärmenetz. All diese Netze müssen umgebaut und erheblich angepasst werden, um CO2-freien Strom, Wärme und Mobilität zu ermöglichen.

Wenn Stadtwerke damit vorangehen, beschleunigen sie die Klimamaßnahmen in der Kommune. Wenn Stadtwerke damit zögern, bremst das auch die Klimamaßnahmen. „Zögern“ ist noch oft der Fall – und liegt auch an handfesten Hürden für Stadtwerke: eine begrenzte Kapitaldecke für die anstehenden Investitionen, schwindende Gewinne aus dem Erdgasgeschäft und fehlende Voraussetzungen für den Aufbau neuer Geschäftsmodelle.

Bei der begrenzten Kapitaldecke gilt: Stadtwerke sollen

  • PV- und Windanlagen in großer Zahl an das Netz anschließen und das Netz zugleich für den wachsenden Strombedarf von Wärmepumpen, Elektroautos und elektrischer Prozesswärme ausbauen.
  • ihre Wärmenetze dekarbonisieren und zugleich auf Basis der kommunalen Wärmeplanungen ausbauen, die bis 2026 bzw. 2028 vorliegen werden.

Die Schätzungen streuen, wieviel Investition das den Stadtwerken abverlangen wird, sind aber erheblich. GEODE, ein europäischer Verband von Verteilnetz-Unternehmen schätzt den Investitionsbedarf der Stadtwerke allein für Ausbau und Umbau der Fernwärme auf ca. 400 Mrd. €. Wegen ihrer heute schon hoher Verschuldung haben viele Stadtwerke nicht den Spielraum, Kredite in entsprechender Höhe aufzunehmen.

Für viele Stadtwerke ist das Erdgasgeschäft noch die wichtigste Gewinnquelle, die wesentlich zur Quersubventionierung kommunaler Leistungen wie städtischen ÖPNV oder Schwimmbäder beiträgt. BMWK und Prof. Dr. Claudia Kemfert, die Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der EWG, sagen dass beim Wechsel von Erdgas auf grünem Wasserstoff die nachgefragten Gasmengen erheblich sinken werden. Damit sinken auch die mit Gas erzielbaren Gewinne. Da noch keine alternative, relevante Gewinnquelle absehbar ist, ist bei Stadtwerken und ihren Kommunen eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten, den Umstieg von dezentralen Gasheizungen auf Wärmenetze oder Wärmepumpen zu forcieren.

Stadtwerken stehen viele neue Geschäftsmodelle zur Verfügung, die das Klima entlasten. Diese können die heutigen Erdgasgewinne auch teilweise ersetzen. Beispiele sind, selbst preiswerten erneuerbaren Strom erzeugen (lassen), gepoolte Stromspeicherung für PV-Dachanlagen oder Wärmepumpen leasen. Um diese Optionen erfolgreich in größerem Stil umzusetzen, fehlt es Stadtwerken oft an einer schlüssigen Strategie, personellen Ressourcen oder Managementkompetenz.

Ein breiter Diskurs hat begonnen, wie diese Hindernisse zu überwinden sind, damit Stadtwerke schneller und stärker zu Klimamaßnahmen in ihrer Kommune beitragen. Bei der Handelsblatt Jahrestagung „Stadtwerke“ am 9. und 10. April werden Lösungen vorgestellt und diskutiert, die in Deutschland derzeit entwickelt und erprobt werden. Auch die Energy Watch Group wird zu diesem Diskurs beitragen.